KI-Mogelei an Schulen: Auch Garmisch-Partenkirchen ist betroffen

Smartphones, Smartwatches und KI-Tools machen Schummeln einfacher. Wie Schulen im Landkreis darauf reagieren – und warum an der BMS schon länger Handylocker im Einsatz sind.

Spickzettel und präparierte Geodreiecke sind längst von gestern. Wer heute bei Leistungsnachweisen täuschen will, greift teils zu modernster Technik und gleicht fehlendes Wissen mit Künstlicher Intelligenz aus. Für Lehrkräfte und Schulleitungen ist das eine echte Herausforderung, auch in Garmisch-Partenkirchen.

Das Kultusministerium reagiert

Das Problem ist inzwischen amtlich bekannt. Das bayerische Kultusministerium informiert online über Möglichkeiten KI-gestützter Schummelei bei Prüfungen und darüber, wie man sie verhindern kann. Der Grund: Ein Smartphone öffnet den Zugang zu nahezu unbegrenztem Wissen und zu KI-Anwendungen.

Fälle an Schulen im Landkreis

Die Schulleiter vor Ort kennen solche Fälle und wollen verhindern, dass Ehrlichkeit sich nicht mehr lohnt.

  • Werdenfels-Gymnasium: Schulleiter Christoph Hagenauer spricht von einer sehr großen Herausforderung, gerade was die Gerechtigkeit betrifft. Unter Schülerinnen und Schülern, die sich an die Regeln halten, wachse der Unmut. Mehrmals flogen Schüler auf, die sich bei schriftlichen Tests offenbar helfen ließen. Verdacht schöpften die Lehrkräfte erst bei der Korrektur: In Chemie lieferte ein Schüler plötzlich Antworten auf ungewohnt hohem Niveau. In Spanisch fiel eine Antwort in fehlerlosem Universitätsfranzösisch auf. Beide gaben ihre Methode nicht preis, doch der Anscheinsbeweis genügte. Die Folge war die Note sechs beziehungsweise null Punkte.
  • St.-Irmengard-Realschule: Schulleiter Michael Schuler beobachtet, dass in größerem Maße technisch aufgerüstet wird. Bei Prüfungen gelten strenge Regeln, selbst Brillen müssen angemeldet und kontrolliert werden. In einem Fall wechselte während eines Tests die Aufsicht, und plötzlich fehlten zwei Handys. Eines klingelte später bei seiner Besitzerin, die zuvor angegeben hatte, keines dabeizuhaben. Eine andere Schülerin versuchte, ihr Gerät von der Hosen- in die Jackentasche zu schmuggeln. Beide erhielten eine Sechs, die Eltern wurden informiert.

„Wir haben die Fälle publik gemacht, damit alle merken: Das sind keine Kavaliersdelikte", sagt Schuler. Bei unerlaubten Hilfsmitteln gebe es keine Gnade.

Kreative Tricks

Im Kollegenkreis sprechen sich besonders findige Methoden herum. Ein Beispiel aus Weilheim: Ein Handybildschirm zeigte zur Tarnung exakt das Abbild eines zugelassenen Taschenrechners. Hagenauer nennt weitere mögliche Hilfsmittel:

  • Smartwatches
  • Mikrofon-Ohrhörer
  • Computerbrillen
  • Stifte, Pins und Ringe mit Technik
  • manipulierte Taschenrechner

Er geht davon aus, dass nur eine kleine Gruppe so etwas nutzt. Dieser Gruppe will die Schule es durch Kontrollen und aufmerksame Aufsicht so schwer wie möglich machen. Vor Leistungsnachweisen werden digitale Geräte grundsätzlich eingesammelt oder abgegeben.

Handyfrei: Das Konzept der BMS

An der Bürgermeister-Schütte-Schule (BMS) in Partenkirchen gibt es seit einem Jahr den „Handylocker". Die Geräte werden in den Klassenzimmern in kleinen Tresoren eingeschlossen. „Wir sind eine handyfreie Schule", sagt Rektorin Stefanie Schmidt.

Besonders bei mündlichen Prüfungen und Referaten sei aufgefallen, dass nicht jede Leistung aus dem Kopf der jeweiligen Schülerin oder des Schülers stammt. Schon durch Nachfragen merke man schnell, wie tief jemand wirklich in einem Thema steckt.

Auch Informatiklehrer Christoph Richter berichtet von einem Schüler, der ein Zweithandy einsetzen wollte. Aufmerksame Aufsicht erkenne die meisten Täuschungsversuche. Dennoch mache KI das Unterrichten schwieriger. Seine Befürchtung: Schüler verlernen das Denken und werden zu reinen Konsumenten.

Ausblick: Handytaschen ab November

Die St.-Irmengard-Realschule will im November gemeinsam mit der Zugspitz-Realschule einen Schritt weitergehen. Die Handys sollen morgens in spezielle Taschen kommen, die sie von der Außenwelt abschirmen. Damit sollen die Geräte während der Schulzeit nicht genutzt werden können.